Kulturelle Kleinode im Land

Die Ursula Blickle Stiftung

Internationale aktuelle Kunst aus den USA, Südamerika, Europa oder Japan mitten in der badischen Hügellandschaft des Kraichtals
Die Ursula Blickle Stiftung
Ursula Blickle © Gaby Gerster
Im vergangenen Herbst ist Ursula Blickle mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik 1. Klasse ausgezeichnet worden. Die 1991 von der Kunstförderin Ursula Blickle gegründete und bis heute von ihr geleitete Stiftung sieht ihre Aufgabe darin, zeitgenössische Kunst, Künstler sowie Kuratoren zu fördern und das öffentliche Interesse an neuen künstlerischen Positionen zu wecken. Dabei gilt ihre Aufmerksamkeit weniger dem Etablierten und Anerkannten als vielmehr der jungen Kunst und ihre Ausstellungen sind oftmals radikaler und mutiger, als es sich die meisten anderen auf finanzielle Unterstützung angewiesenen Ausstellungsinstitutionen erlauben dürfen. Die gebürtige Wienerin Ursula Blickle hat nach einer bewegten Vergangenheit private Ausstellungsräume zur Verfügung gestellt, in denen sich Künstler und Gastkuratoren frei von bürokratischen Zwängen experimentellen Fragestellungen und Ansätzen widmen können. „Im Gegensatz zu Museen und anderen Institutionen agiere ich als Privatmensch, was viele Vorteile hat. Es spielt keine Rolle, wie viele Besucher in eine Ausstellung kommen, obwohl ich mich natürlich über jedes Publikumsinteresse freue. Ich muss kein ausgewogenes Programm vorlegen und kann den Kuratoren, die ich einlade, freie Hand lassen". Ob Installation, Malerei oder Konzeptkunst, ob im Haus, im Park - hier ist sehr viel möglich.
Ursula Blickle ist nicht nur viel gereist, sie hat auch ein bewegtes Leben als Elevin der Wiener Staatsoper, dann Jahre als Schauspielerin in Österreich, Deutschland und der Schweiz hinter sich. Schließlich reiste sie mit ihrem Mann für 2 Jahre nach Sao Paulo, woraus dann 10 Jahre wurden. Und da sie ohne Portugiesisch zu können den Schauspielberuf nicht mehr ausüben konnte, wurde die Bildende Kunst zu Ihrer Leidenschaft und zu einem Weg. Von Sao Paulo ins provinzielle, badische Mühlental nach Kraichtal: ohne die Kunst wäre das für die weltgewandte Wienerin ein Kulturschock gewesen. Vornehm und idyllisch liegt die ehemalige alte Ölmühle der Blickles am Ortsrand von Kraichtal, doch hinter der beschaulichen Fassade finden Ausstellungen statt, die neue Sichtweisen auf die Kunst und das Leben eröffnen und wo Schranken abgebaut werden. Das Bedürfnis mitten im Zentrum den Kunst zu sein in dem Wissen - das sicherlich auch in der langjährigen Theaterarbeit begründet liegt - dass alles in der Kunst zusammenläuft, war der Impuls für die Stiftung. In finanzieller Unabhängigkeit und in gezielte Zusammenarbeit mit international agierenden Institutionen, die sich ebenfalls der zeitgenössischen Kunst widmen realisiert die Stiftung jährlich vier Ausstellungen, die immer wieder von einem eigenen und anderen Blickwinkel des jeweiligen Kurators aus konzipiert und gesehen werden können. Durch Vorträge und Diskussionen, die mit den Ausstellungen einhergehen, fungiert die Stiftung gleichzeitig als Schnittstelle zwischen Kunst und der interessierten Öffentlichkeit und bietet somit Raum für Dialoge und Diskurse, die in der Kunst fundamental wichtig sind. Als Gastgeberin und Integrationsfigur bringt Ursula Blickle in Ihrer Stiftung bei Vernissagen die internationale Kunstszene mit den Bewohnern der Region in Kontakt.
Und, dessen ist sie sich ganz sicher: „Da ich lange Zeit in Sao Paulo gelebt habe, kann ich zwar sagen, dass mich diese Metropole nachhaltig geprägt hat, wie auch auf alle Fälle meine Heimatstadt Wien - trotzdem bin ich überzeugt, dass ich auch hier in der Provinz einiges erreicht habe, und ich hoffe freilich, noch viel mehr zu erreichen."
Ursula Blickle hat inzwischen ein großes Netzwerk, arbeitet mit bedeutenden Beratern, Gastkuratoren und internationalen Museen zusammen. Auch in ihrer Heimatstadt Wien ist Ursula Blickle an der Förderung junger Kunst aktiv beteiligt. Aus einer jahrelangen Verbundenheit mit der Kunsthalle Wien entstand vor knapp vier Jahren die Gründung der Ursula Blickle videolounge. Monatlich ist dort ein wechselndes Videoprogramm monografischer Arbeiten oder thematischer Videokompilationen zu sehen. Aus dieser Präsentationsplattform ist im Laufe der letzten drei Jahre ein umfangreiches Archiv mit über 1800 Werken der letzten 50 Jahre entstanden. Neben zahlreichen Kunstvideos international renommierter Vertreter bietet das Archiv einen umfassenden Überblick der lokalen Videokunstszene Österreichs.
Heute ist die Ursula Blickle Stiftung eines der erfolgreichsten und ungewöhnlichsten Modelle privaten Engagements. Dass dies nicht nur in Kraichtal, in Baden-Württemberg, auch nicht nur in Deutschland sondern auch International beachtet wird, das bezeugt das im Herbst Ursula Blickle zuerkannte Bundesverdienstkreuz, welches sie auch gerne trägt, wenn es farblich zum Outfit passt.
Ulrike Geist

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